Wermut – eine aussergewöhnlich bittere Pflanze mit langer Geschichte
Wermut – eine aussergewöhnlich bittere Pflanze mit langer Geschichte
Wermut gehört zu jenen Pflanzen, deren Charakter unverkennbar ist: Artemisia absinthium, so der botanische Name, ist für seinen ausgeprägt bitteren Geschmack bekannt. Doch die Pflanze ist nicht nur botanisch interessant. Sie ist auch eng mit einem besonderen Kapitel der europäischen Genuss- und Kulturgeschichte verbunden – dem Absinth.
Grund genug, Wermut einmal etwas genauer kennenzulernen.
Woran erkennt man Wermut?
Wermut (Artemisia absinthium) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die mehrjährige Pflanze wächst meist aufrecht und verzweigt. Charakteristisch sind ihre graufilzigen Blätter und Stängel sowie die kleinen gelben Blütenköpfe, die im Sommer erscheinen.
In der Schweiz ist Wermut unter anderem an Wegrändern und auf Ruderalflächen anzutreffen. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht weit über die Schweiz hinaus und umfasst grosse Teile Europas und Asiens sowie Teile Nordafrikas.
Eine Pflanze mit ausgesprochen bitterem Charakter
Eine der auffälligsten Eigenschaften von Wermut ist sein intensiver bitterer Geschmack. Auch die Schweizer Pflanzenplattform InfoFlora beschreibt die Pflanze ausdrücklich als bitter schmeckend.
„Bitter“ bezeichnet dabei zunächst eine Geschmacksqualität. Neben süss, sauer, salzig und umami gehört bitter zu den grundlegenden Geschmacksrichtungen, die der Mensch wahrnehmen kann.
Wie intensiv wir Bitterkeit empfinden und ob wir sie als angenehm oder unangenehm wahrnehmen, ist individuell verschieden. Wermut gehört dabei zweifellos zu den Pflanzen mit einem besonders ausgeprägten bitteren Geschmacksprofil.
Wermut und Absinth – eine berühmte Verbindung
Besonders bekannt geworden ist Wermut durch seine Verbindung mit Absinth. Die Spirituose hat eine lange Geschichte, die eng mit dem schweizerischen Val-de-Travers im Kanton Neuenburg verbunden ist. Die Region gilt als historische Wiege des modernen Absinths.
Wermut ist eine der charakteristischen Pflanzen, die bei der Herstellung von Absinth verwendet werden. Neben ihm kommen je nach Rezeptur weitere Kräuter und Gewürze zum Einsatz.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich Absinth zu einem bekannten Getränk und fand auch Eingang in Kunst und Kultur. In der Schweiz war seine Herstellung und sein Verkauf während Jahrzehnten verboten. Seit 2005 darf Absinth unter Einhaltung der geltenden gesetzlichen Vorgaben wieder hergestellt und verkauft werden.
Was ist Thujon?
Im Zusammenhang mit Wermut begegnet man häufig auch dem Begriff Thujon. Dabei handelt es sich um einen natürlich vorkommenden Pflanzenstoff, der unter anderem in Wermut enthalten sein kann.
Thujon wurde insbesondere durch die Geschichte des Absinths bekannt. Für bestimmte Lebensmittel und Getränke gelten heute gesetzliche Vorgaben beziehungsweise Höchstmengen. Damit ist klar geregelt, in welchen Mengen der Stoff in den jeweiligen Lebensmittelkategorien vorkommen darf.
Eine Pflanze zwischen Botanik und Kulturgeschichte
Wermut zeigt, wie viel Geschichte sich hinter einer einzelnen Pflanze verbergen kann. Sein silbrig-graues Erscheinungsbild, sein ausgesprochen bitterer Geschmack und seine enge Verbindung zur Geschichte des Absinths machen Artemisia absinthium zu einer bemerkenswerten Pflanze.
Gleichzeitig ist Wermut ein schönes Beispiel dafür, wie Pflanzen über Geschmack, regionale Traditionen und Genusskultur Teil unserer Geschichte werden können.
Quellen und weiterführende Informationen
- InfoFlora / Flora Helvetica: Artemisia absinthium L. – Echter Wermut. Botanische Beschreibung, Standort und Verbreitung in der Schweiz.
- Royal Botanic Gardens, Kew – Plants of the World Online: Artemisia absinthium L.. Taxonomie und natürliche Verbreitung.
- SWI swissinfo.ch: Absinth: Die Rückkehr der Grünen Fee. Hintergrund zur Geschichte des Absinths und zum Val-de-Travers.
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) / Schweizer Lebensmittelrecht: geltende Vorschriften zu Aromen und natürlich vorkommenden Aromastoffen in Lebensmitteln.
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