Health Claims einfach erklärt: Was Nahrungsergänzungsmittel versprechen dürfen – und was nicht
Health Claims einfach erklärt: Was Nahrungsergänzungsmittel versprechen dürfen – und was nicht
«Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.»
«Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei.»
Solche Sätze begegnen uns auf Verpackungen, in Onlineshops und in der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel immer wieder. Und vielleicht hast du dich auch schon gefragt: Warum klingen diese Aussagen eigentlich so ähnlich? Und warum steht dort «trägt bei» statt einfach «stärkt» oder «hilft»?
Die Antwort darauf lautet: Health Claims.
Hinter den manchmal etwas nüchtern klingenden Formulierungen steckt ein wichtiges Prinzip: Gesundheitsbezogene Aussagen über Lebensmittel dürfen nicht einfach frei formuliert werden. In der Schweiz gibt es dafür klare gesetzliche Vorgaben. Das soll unter anderem dazu beitragen, Konsumentinnen und Konsumenten vor irreführenden Gesundheitsversprechen zu schützen.
Was ist eigentlich ein Health Claim?
Ein Health Claim ist eine gesundheitsbezogene Angabe. Damit ist eine Aussage gemeint, die einen Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel, einem Bestandteil davon und der Gesundheit herstellt oder suggeriert.
Ein typisches Beispiel ist:
Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Hier ist entscheidend, wem die Wirkung zugeschrieben wird: Vitamin C. Nicht automatisch dem gesamten Produkt, in dem Vitamin C enthalten ist.
Genau diese Unterscheidung ist wichtig. Eine für einen bestimmten Nährstoff zugelassene Wirkung darf nicht einfach dem gesamten Produkt zugeschrieben werden. Es muss klar sein, welcher Nährstoff oder welche Substanz gemeint ist.
Warum steht überall «trägt zu … bei»?
Auf den ersten Blick können Formulierungen wie «trägt zu einer normalen Funktion bei» etwas vorsichtig wirken. Das ist aber kein Zufall.
Für Health Claims gelten in der Schweiz konkrete Regeln. Zulässige gesundheitsbezogene Angaben sind in der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel geregelt. Angaben, die dort nicht vorgesehen sind, dürfen nicht einfach frei verwendet werden.
Deshalb begegnen uns beispielsweise Aussagen wie:
Vitamin D trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei.
oder
Vitamin C trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
Diese Sprache soll klar und nachvollziehbar kommunizieren, welcher gesundheitliche Zusammenhang für einen bestimmten Nährstoff angegeben werden darf.
Ein zugelassener Satz allein reicht noch nicht
Ein wichtiger Punkt wird dabei gerne übersehen: Nur weil es für einen Nährstoff einen zulässigen Health Claim gibt, darf dieser nicht automatisch für jedes Produkt mit diesem Nährstoff verwendet werden.
Auch die jeweiligen Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Das betrifft unter anderem die Menge des entsprechenden Nährstoffs oder der Substanz im Produkt. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist dabei die empfohlene Tagesportion entscheidend.
Ein gutes Beispiel dafür sind EPA und DHA:
EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei.
Für diese Aussage gilt zusätzlich eine konkrete Bedingung: Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg EPA und DHA ein.
Genau deshalb lohnt es sich, bei Health Claims nicht nur auf den Satz selbst, sondern auch auf die dazugehörigen Voraussetzungen zu achten.
Health Claim oder Heilversprechen – wo liegt der Unterschied?
Das ist wahrscheinlich die wichtigste Unterscheidung überhaupt.
Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel – keine Arzneimittel.
Sie dienen dazu, die normale Ernährung zu ergänzen, zum Beispiel mit Vitaminen, Mineralstoffen oder anderen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung. Sie sind jedoch nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu behandeln oder zu heilen.
Ein Health Claim kann also beispielsweise sagen:
Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
Daraus darf aber nicht einfach eine Aussage werden wie:
Dieses Produkt behandelt chronische Erschöpfung.
Damit würde aus einer gesundheitsbezogenen Angabe eine ganz andere Aussage entstehen. Aussagen, die einem Lebensmittel Eigenschaften zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten zuschreiben oder solche Eigenschaften suggerieren, sind nicht zulässig.
Und was ist mit Reishi, Hericium & Co.?
Gerade bei pflanzlichen Stoffen und Vitalpilzen wird das Thema besonders interessant.
Vielleicht begegnen dir online Aussagen über Pflanzen, Pflanzenextrakte oder Vitalpilze, die sehr konkrete gesundheitliche Wirkungen versprechen. Dabei lohnt sich in der Schweiz ein genauer Blick.
In der EU existieren sogenannte «on hold claims», insbesondere für Botanicals. Für diese noch nicht abschliessend bewerteten Angaben gelten dort besondere Übergangsregelungen.
In der Schweiz haben solche «on hold claims» jedoch keinen eigenen Sonderstatus.
Eine gesundheitsbezogene Angabe muss auch hier den schweizerischen Vorgaben entsprechen oder über eine entsprechende Bewilligung verfügen. Deshalb gehen wir auch bei Vitalpilzen bewusst sorgfältig mit Aussagen über gesundheitliche Wirkungen um.
Nicht nur Worte können ein Health Claim sein
Noch eine Besonderheit: Bei Health Claims geht es nicht ausschliesslich um geschriebene Sätze.
Auch Bilder, Symbole oder die gesamte Darstellung können einen gesundheitlichen Zusammenhang vermitteln. Eine bestimmte Bildsprache kann deshalb je nach Kontext ebenfalls als gesundheitsbezogene Aussage verstanden werden.
Das zeigt: Verantwortungsvolle Gesundheitskommunikation beginnt nicht erst beim Kleingedruckten. Sie betrifft auch Produktseiten, Verpackungen, Werbung und visuelle Gestaltung.
Drei Dinge, auf die du bei Gesundheitsversprechen achten kannst
1. Wem wird die Wirkung zugeschrieben?
Steht dort beispielsweise «Vitamin C trägt … bei» – oder wird die Wirkung pauschal dem ganzen Produkt zugeschrieben?
2. Wird eine normale Körperfunktion beschrieben oder eine Krankheit versprochen?
Aussagen über die Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten gehören nicht auf Lebensmittel.
3. Klingt ein Versprechen fast zu gut, um wahr zu sein?
Gerade bei sehr grossen oder absoluten Gesundheitsversprechen lohnt sich ein genauer Blick.
Warum uns diese Sprache wichtig ist
Gesundheit ist ein Thema, bei dem grosse Versprechen schnell Aufmerksamkeit erzeugen können.
Wir finden aber: Gute Gesundheitskommunikation muss nicht möglichst spektakulär sein. Sie sollte möglichst nachvollziehbar sein.
Deshalb möchten wir bei Nutrexin transparent machen, warum bestimmte Aussagen auf unseren Produkten stehen und weshalb andere bewusst nicht gemacht werden.
Denn ein Satz wie «trägt zu einer normalen Funktion bei» mag weniger spektakulär klingen als ein grosses Wirkversprechen.
Dafür sagt er etwas anderes aus, das uns wichtiger ist:
Wir möchten Gesundheit verständlich kommunizieren – ohne mehr zu versprechen, als wir versprechen dürfen.
Mehr zu unseren Health Claims
Du möchtest wissen, welche Health Claims wir für Vitamin C, Magnesium, Zink, Eisen und weitere Nährstoffe verwenden?
Teilen
